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Status: aktiv

Alter: 20 Jahre
Volk: Menekaner
Klasse: unbekannt
Geschlecht:
 
Zuletzt gesehen: 26.07.2026 13:14

Beschreibung:

Neyara. Nur das. Wenn du mehr willst, wirst du enttäuscht sein. Der Sand nimmt alles, was man ihm gibt, und irgendwann auch alles, was man ihm nicht gegeben hat.
Mir hat er einen Namen gelassen: Neyara.
Einen zweiten hatte ich einmal von meinem Vater. Aber er hat ihn mir nie wirklich gegeben, nur hingeworfen, wie man einem streunenden Hund einen Knochen hinwirft. Ich habe ihn lange getragen. Mit Stolz? Vermutlich ja. Aber als ich ging, habe ich ihn im Staub liegen lassen, dort, wo Knochen eben liegen bleiben. Aus Bescheidenheit lasse ich ihn nicht weg, sondern aus Kalkül. Diese Tür soll geschlossen bleiben.

Kennst du Alwa'shiral? Man nennt die Stadt in der ich geboren bin auch die Perle des Wissens. Aber wirklich geboren bin ich in der Wüste. Unser Haus stand an einer Oase, weit vor ihren Toren, so weit, dass die Stadt nur ein Flimmern am Horizont war und nah genug an den Bergen, dass ich als Kind glaubte, sie gehörten mir.
Meine Mutter war die Einzige, die mich dort hinlaufen ließ, ohne zu fragen, wann ich zurückkomme.
"Der Sand vergisst nichts," sagte sie einmal. "Nicht deinen Namen, nicht deine Schritte, nicht dein Blut."
Ich habe Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass das keine Warnung war. Es war ein Versprechen.

Fünf Brüder habe ich. Vier davon sind im Grund die gleiche Person in unterschiedlichen Größen: mein Vater. Nur mit weniger Falten und dafür noch mehr Ehrgeiz genauso zu werden wie er. SIe beten wo er betet, verbeugen sich, wann er es erwartet und haben für eine Schwester, die lieber in den Bergen verschwindet, nichts übrig. Sie behandelten mich, als sei ich ein Möbelstück. So ein Tischchen, das man einmal auf dem Basar gesehen hatte, selbst nicht mehr wusste warum man ihn mitnahm und zuhause feststellte: Der passt nicht.
Er stand dann eben irgendwo, man bereute den Kauf bitter, aber er war es nicht wert, sich die Mühe zu machen, ihn zu entfernen.

Mein Vater sah mich noch nicht einmal so. Ein Möbelstück nimmt man wenigstens wahr, wenn man dagegen läuft. Gerade der kleine Zeh kann davon ein Lied singen, wie sehr man ein Möbelstück wahrnehmen kann, wenn man es anrempelt. Mich hat er nie angerempelt. Er ist mir einfach ausgewichen. Ein Leben lang so sorgfältig, als hätte er Angst, sich an mir zu beschmutzen, als könnte meine ruh - meine Seele - alles Wilde in mir, auf ihn abfärben wie Staub, den man nicht mehr los wird.

Und dann ist da noch Kamal. Mein jüngster Bruder. Er hat mich schon immer so angesehen, als wäre ich mehr als eine Randnotiz in der Geschichte unseres Vaters. Manchmal habe ich ihn mitgeschleift. Natürlich gegen jede Vernunft und jedes Verbot. Er beschwerte sich über die Hitze, aß mir trotzdem die Hälfte meiner mitgebrachten Datteln weg und verriet mich nie. Wenn er mich ärgern wollte, nannte er mich Zawba'a, "Wirbelsturm" und ich habe ihn mehr als einmal dafür getreten, bis ich auch hier verstand, dass es mehr Kompliment als Beleidigung war. Komplimente waren eben selten und ungewohnt.


Meine Mutter war die Einzige, die mich nicht als Fehler in einer Rechnung sah, sondern als das, was ich vermutlich wirklich war: unerwartet, ungeplant, ein Kind, das niemand bestellt hatte und das sie trotzdem, oder gerade deshalb, wie eben von Eluive gewollt, wie ein Geschenk behandelte.
Für sie war ich kein Möbelstück und keine Randnotiz. Ich war ihr ein und alles.
Das hieß nicht, dass sie mich verwöhnte. Ich lernte alles, was ein Mädchen lernen sollte – Musik, Tanz, wie man ein Haus führt, wie man einem Gast die Schale nachfüllt, bevor er merkt, dass sie leer ist. Sie war streng, wenn es sein musste, genauso streng wie jede andere Mutter in Alwa'shiral.
Aber sie hielt die Zügel nur so fest, wie es der Anstand verlangte und ließ sie genau dann locker, wenn niemand außer ihr hinsah. So, wie man ein Pferd am Halfter führt und weiß, dass es manchmal ausbrechen muss, um nicht die Lust am Laufen zu verlieren.

Sie hat mir eine Waffe in die Hand gelegt, bevor mein Vater überhaupt bemerkte, dass meine Hände dafür groß genug waren. Zuerst nur aus Holz, aber irgendwann kam dann die Zeit als mein Puls den Klang von Klinge auf Klinge genauso gut kannte, wie jedes Gebet, das man mich auswendig lernen ließ.

Ich kenne den Klang von Metall auf Metall noch heute, in jedem Muskel der sich anspannt, wenn ich eine Klinge in der Hand halte. Was ich nicht mehr kenne, ist das Haus, in dem ich das gelernt habe. Es gibt keine Übungsstunden mehr am frühen Morgen.
Es gibt keine Mutter, die ruft, ich solle meinen Stand korrigieren und den Rücken gerade halten. Es gibt nur noch das, was sie mir mitgegeben hat und das, was ich daraus gemacht habe.

Das alles war bevor der Sand alles unter sich begrub, was ich einmal eine Familie nannte. Bevor ein Grab meinen Namen trug und niemand darin lag.

Ich spreche nicht gern darüber, was genau dazwischen geschah, aber egal was geschehen ist, was noch geschehen wird: Ich bin Neyara.

Ich bin die Tänzerin, die Sängerin und Gastgeberin, die ich für die Familie sein sollte.
Ich bin die Kämpferin, die meine Mutter im Verborgenen schliff, Schlag um Schlag, bevor irgendjemand fragte, wozu ein Mädchen einen Säbel braucht.
Ich bin Zawba'a, der Wirbelwind.
Ich bin das Tischchen vom Basar.
Ich bin die, die nicht lügt, weil Lügen zurückkommen wie ein Sturm, der seine eigene Spur verschluckt.
Ich bin die Tote, für die irgendwo ein Grab ausgehoben liegt, unter dem niemand liegt.

Und ich bin, allem zum Trotz, immer noch hier.