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Status: aktiv

Alter: 24 Jahre
Rasse: Menekaner
Klasse: Schneider
Geschlecht:
 
Zuletzt gesehen: 23.09.2021 14:46

Beschreibung:


    Bahar saß nahezu erstarrt auf einem Kissen im Essbereich. Ihre Hände sichtbar und flach auf den Oberschenkeln liegend. Vor ihr war der Tisch reichlich mit den traditionellen Gerichten ihres Volkes gedeckt. Eine halbe Armee konnte man damit sättigen. Es war ihr Vater, der darauf stets bestand, dass der Tisch ordentlich und ausreichend gedeckt war.
    Der Respekt war gehörig groß, ihr Blick auf die Höhe des Hemdes ihres Vaters gesenkt, als er mit ihr sprach. Seine Auftreten war einschüchternd, seine gewählten Worte und seine dunkle Stimme bestimmend. Seine Blicke spürte sie immerzu auf sich wirken – durchdringend und streng. Bahar's Mutter saß schweigend daneben. Sie hatte ihrer Tochter alles um die Traditionen und über das Benehmen einer Natifah beigebracht. Nur ganz selten sah man sie reagieren und im Stillen zu dem Gesagten ihres Mannes nicken. Denn als Natifah aus der Familie Dawada ziemte es sich nicht Widerspruch zu leisten. Bei fehlendem Gehorsam zögerte ihr Vater nicht die Hand zu erheben.

    „Abla, der Verlust deines Ranim hat dich wieder zu uns zurück geführt. Es ist nicht mein Ansinnen dich hier zu behalten und dass du, gerade in deinen blühenden Jahren, hier sitzt und du ohne wirklichen Nutzen an der Einsamkeit verwelkst.“. Bahar's Kinn zitterte und ihre Lippen zogen sich zu einem schmalen Strich. Sie nickte langsam. Ihr war bewusst, dass sie nicht auf ewig in ihrem Elternhaus leben konnte – es war verpönt. Ihr Vater sorgte schon damals dafür, dass sie in ihren jungen Jahren an einen wohlhabenden, gestandenen Anaan's Durrah verheiratet wurde. Kein wirklich einfühlsamer Mann, der für ihre Gedanken und Sorgen Verständnis übrig hatte. Die Ehe war nicht aus Liebe, sondern aus Pflicht geschlossen worden. Er war zudem noch um einiges älter als sie. Doch es war nun mal üblich, das die wunderschönen Natifah's aus dem Haus Dawada früh genug verheiratet wurden und damit ihren Familien alle Ehre machten. Bahar's Vater sagte einmal: „Je früher eine Natifah verheiratet wird, desto unwahrscheinlicher ist es, das Schande über das Haus Dawada hereinfällt.“. Und er sprach Recht.

    Das Unglück bei Bahar war, dass sie sich weder als Ehefrau entfalten, noch ihrem Mann Kinder schenken konnte. Viel zu früh starb er, die Zeit war zu kurz. Und da saß sie nun, vor ihrem Vater, beschämt und zerbrochen. Sie war eine Fessel an seinem Bein. Seine Worte waren ohne Verständnis. Sie waren verletzend.
    „Als ich die Nachricht erhielt, dass du wiederkommst weil dein Ranim verstarb, zerbrach ich mir wegen dir den Kopf. Du bringst keine Kinder in die Familie. Du bist unberührt. Das sind die einzigen Punkte, die dich noch retten, um wieder verheiratet werden zu können. Mein Glück in diesem entstandenen Unglück!“, seine Hand fuhr einmal durch das Gesicht. Eine kleine Pause seinerseits, welche sie für sich nutzte, um einmal durchzuatmen und die Lippen kurz zu befeuchten. Sie wusste, dass ihr Vater bereits einen neuen Plan für sie zurecht gelegt hatte.
    „Ich schicke dich nach MenekUr, wo du deiner Berufung als Tuchweberin weiter nachgehen kannst. Auch dort ist das Haus Dawada vertreten. Das Oberhaupt habe ich bereits um deine Ankunft unterrichtet. Er erwartet dich. Und soweit ich in Erfahrung bringen konnte, ist noch keiner von ihnen liiert. Ich erwarte von dir, dass du all seine Wünsche erfüllst! Nichts ist unerträglicher für mich, wenn ich erfahre, dass du nicht von Nutzen für ihn bist! Und wage es nicht dein Herz an einen Anaan's Durrah zu verlieren, der nicht unserem stolzen Haus angehört!“, seine Hand schmetterte auf den gedeckten Tisch nieder, das die Teller und Teegläser kurz erbebten und klirrten. Bahar zuckte erschrocken zusammen und neigte daraufhin tief und unwillkür ihre Stirn.
    „Mein geliebter Radeh, ich werde unserer Familie Ehre erweisen. Ich verspreche dir, ich werde dich nicht enttäuschen.“, sprach sie mit überzeugender und fester Stimme zu ihrem Vater und unterstrich noch einmal mit den letzten Worten ihre Willensstärke. Ihr Vater sah zur Seite und hob die Hand zu einem Wink an: „Du kannst dich für deine Reise vorbereiten. Nun geh schon.“

    Sie erhob sich vom Esstisch, ohne davon selbst gespeist zu haben und verneigte sich vor ihren Eltern. Das Geschirr klirrte, als sich ihr Vater über die Köstlichkeiten hermachte. Wieder eine gute Gelegenheit ihr aufgekeimtes Gefühlschaos mit einem tieferen Atemzug auszustoßen. Sie wandte sich ihnen ab und kehrte in ihr Zimmer ein, um das Nötigste für ihre Reise einzupacken.
    Bahar war es durchaus bewusst, wie wichtig die Reise nach MenekUr war. Es war ihre Gelegenheit das Wohlwollen ihres Vaters zurück zugewinnen und ihn zufrieden zu stellen. Und es war Ihr Neuanfang. Ein erweitertes Leben. Ein Haus ihrer Verwandten, welches sie mit ihrem Fleiß, ihrer Tüchtigkeit und ihrem unerbittlichen Gehorsam bereichern konnte. Ihre Schultern zuckten leicht nach oben und ein schmales Lächeln tanzte über ihre Lippen: und wer weiß? Vielleicht gab es dort tatsächlich einen Mann, der Gefallen an ihr finden würde. Sie nahm die schönsten Kleider aus ihrem Schrank, um bei Ankunft schon den ersten bleibenden Eindruck hinterlassen zu können.

    Am nächsten Morgen verabschiedete sie sich von ihrer Mutter. Sie überreichte ihr ein kleines gestricktes Armband als Andenken und Danksagung an all die Jahre, in der sie für Bahar da war und in denen sie ihr alles lehrte. Ihrer Mutter hatte sie zu verdanken, dass sie zu der Natifah wurde, die sie heute ist. Die Durrah erstreckte sich meilenweit vor ihren Augen, als sie sich dem Karawanenzug anschloss. Es würde noch Tage dauern, bis sie vor den Toren MenekUrs ankam. Nichts als flimmernde, hohe Dünen bauten sich vor ihr auf. Doch je näher der letzte Tag rückte, umso aufgeregter wurde sie. Die Gedanken kreisten, die Hoffnung war groß. Das neue Leben war zum greifen nahe.